Die Welt der Arbeit befindet sich zu Beginn des dritten Jahrtausends in einem tiefgreifenden Umbruch. Vor allem der europäische Kulturkreis erlebt zunächst in den achziger Jahren einen „Epochenbruch“, vorwiegend als neoliberale Wende, der inzwischen als „Interregnum“ verstanden wird. Das Ende des Taylorismus als einzelwirtschaftlichem Konzept und des Fordismus als gesellschaftliches Produktions- und Konsumkonzept verlangten zu Beginn der siebziger Jahre nach neuen Lösungen der „Humanisierung der Arbeit“. Seitdem laufen die Debatten. Sie werden gegenwärtig unter dem Label Industrie 4.0 und Arbeit 4.0 geführt, der zunehmenden Digitalisierung von Wirtschaft und Arbeit in ihrer globalen Vernetzung.

Diese Entwicklung hat Konsequenzen für die Sozialsysteme, die sich weltweit transformieren oder neuartig herausbilden. Arbeit und Technik, Arbeit und Gesundheit, Arbeit und Bildung, Arbeit und soziale Sicherung, Persönlichkeitsentwicklung durch Arbeit werden wieder zu wichtigen Themenfeldern gesellschaftlicher Diskussion und politischer Gestaltung. Vor dem Hintergrund wachsender Bedeutung technischer Netzwerke der Kommunikation taucht dabei die „Postsozialität“ als Kennzeichnung neuer Problemlagen in den zwischenmenschlichen Beziehungen auf, und zwar auf Gruppen- wie gesamtgesellschaftlicher Ebene gleichermaßen.

Die Symptome der Veränderung erscheinen klarer und können vor allem in offenen und verdeckten Konfliktkonstellationen beobachtet werden. Sie zu erkennen und wissenschaftlich zu analysieren betrachten wir als unsere Aufgabe. Konflikt und Kooperation werden zu übergreifenden Leitorientierungen unserer Forschung.

Entlang vorhandener Konfliktlinien gilt es, autonomieorientiert zu gestalten und rationalitätsorientiert zu beraten. Dies betrachten wir von DOfAPP als unsere Kernkompetenz. Gestaltungsberatung findet dabei in einem übergreifenden Umfeld noch ungerichteter wirtschaftlicher, technischer und sozialer Innovationen statt. Die Herausbildung differenzierter (dynamisch-differentieller) Arbeitsgruppen ist für uns ein zentraler Hebel, um Autonomie der Einzelnen zu gewährleisten.

Zunehmend wird es notwendig, aus einer instrumentalistischen Sichtweise, dem Denken in formellen Regelsystemen, herauszukommen. Dazu muss man beim Subjekt ansetzen, bei den subjektiv-objektiven Bedingungen für Handeln. An der wachsenden Bedeutung informeller Strukturen („Netzwerke“) kann man erkennen, inwieweit die gegebenen institutionellen Rahmenbedingungen überhaupt noch von den Subjekten akzeptiert werden und wirken.

Notwendig werden daher politische Strukturreformen, die aus Kreativität der arbeitenden Subjekte ihre Kraft schöpfen. Sie können durch wirtschaftliche und soziale Innovationen ermutigt werden. Innovationen haben ihre Voraussetzungen im Kleinen, Menschen in ähnlichen Lagen lernen aus Konflikten anderer, so unsere Hypothesen. Neues entwickelt sich nicht einfach aus bisherigen Beständen, sondern im Konflikt mit Gegebenheiten. Daran setzen wir präventiv (vorsorgend) und innovativ (erneuernd) an.

In den verschiedenen Erscheinungsformen von Grenzkonflikten der Arbeit bildet sich eine neue Erkenntnis der Wirklichkeit heraus, ergeben sich auch neue typische Konfliktsituationen, die aus ihrer Typik heraus human gestaltet werden können.

Soziale Veränderungen sind über bestehende Großtheorien nicht mehr voll zu erklären, sie laufen vornehmlich über Subjekte, die deshalb an den Veränderungsprozessen zu beteiligen sind. Ziel ist es, mit ihrer Hilfe, ihren innovatorischen Qualifikationen, zu einer Verallgemeinerung der Prozesse und neuen Strukturbildungen zu kommen.

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